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Wer stehen bleibt kommt nicht weiter

 


Hier kommt also, wie versprochen, der zweite Teil unseres Grenzgangs zwischen Sein und Nichtsein. Hatte jetzt auch die Möglichkeit ein paar Bilder zu senden, damit alles schön bunt wird auf dieser Seite. Diesmal hat die Technik funktioniert und die Verbindung ins Internet hat gehalten...;-)

Als wir uns also ernsthaft entschlossen hatten, durchs ewige Eis bis zum Lago Viedma zu gehen, gab es nun wirklich kein Zurück mehr! Das, was vor uns lag, war schon sehr beeindruckend! So eine riesige Eisfläche! Da kommt man sich vor wie eine kleine Ameise im Niemandsland.

Es war Dienstag so um 17.00 Uhr als wir Mittem im Inlandeis standen und wussten, das es eben dieses Zurück nicht geben wird! Der Wind ging an diesem Tag schon bisschen und wehte uns um die Ohren. Aber richtig kalt wurde es uns nicht, da wir einen recht schnellen Schritt drauf hatten. Zum Gehen ging es recht gut. Wir liefen auf schönem harten Schneee und kamen gut voran. Naja, was heißt schon voran... Eigentlich geht man ein paar Stunden, aber man hat nicht wirklich das Gefühl, dass man vom Fleck kommt. Zu riesig ist diese Eisfläche!

Immer mal wieder blieben wir stehen und machten unsere Fotos. Wow, das, was sich uns auftat, war irre beeindruckend. Die ganzen Berge konnten wir in ganzer Pracht diesmal praktisch von der anderen Seite, von Westen her, aus bestaunen.

Toni meinte noch, er kenne sich schon aus auf dieser Seite der Berge. Er war ja schon vor 16 Jahren an gleicher Stelle auf Skiern. Das wäre eh nicht so weit. Aber wer Toni wirklich kennt, der weiss, dass er gar nichts mehr weiss nach so langer Zeit...;-)

Also sind wir immer weiter! Schritt für Schritt einen Fuß vor den anderen - immer weiter. Und ich dachte noch - uuuuh, dass kann ja noch heiter werden. So um elf Uhr abends haben dann beschlossen, uns einen guten Platz zum Biwakieren zu suchen bevor es dunkel wird. Daraufhin steuerten wir die Seite des Gletschers an, weil wir nicht auf dem Eis schlafen wollten.

Kurz bevor es dunkel wurde, waren wir vom Gletscher runter. Irgendwo im Geröll und machten unseren Biwakplatz bereit. Zum Essen hatten wir noch drei Tafeln Schokolade, ein paar Müsli-Riegel, zwei Packerl Suppe. Eh genug, dachten wir. Wow, es geht uns richtig gut. Zum Abendesssen gab es ein richtiges Festessen. Eine Suppe und als Nachtisch eine Schoko. War echt gut. Wenn man unterwegs ist schmeckt sowieso alles gut!

Die Nacht war okay! Wir hatten ja alles dabei. Schlafsack und so... Der nächste Morgen war wunderschön. Total blauer Himmel! Nur der Wind ging wieder mal und hat uns über Nacht fast unterm Sand begraben. Von dem gibt es ja genug hier unten. Da haben sich meine Kontaktlinsen wieder mal gefreut (liebe Grüße an das Team vom Optiker Nitsch, danke! die machen es möglich, dass ich überhaupt etwas sehe... grins).

Nach einem Tee mit etwas Spezialpulver von Gruber Sport & Ernährung (die Produkte von Roman Gruber sind echt super!) und einer Tafel Schoko ging es wieder los! Wir kamen gut voran und es war wunderschön. Normalerweise bin ich ja nicht ein so grosser Geher. Doch irgendwie wurde es immer blöder zum Gehen. Der Schnee hörte auf und vor uns präsentierte sich ein zerklüfteter Gletscher. Erst waren es kleine Rillen. Die wurden aber immer größer und größer. Und plötzlich standen wir in einem Labyrinth aus tausend Spalten! Aber wir mussten weiter. Egal, wie... Mit jeder Stunde drangen wir immer weiter in diese aussichtslose Welt der Verzweiflung hinein. Irgendwann habe ich dann mal zu Toni gesagt, dass wir in dieser Welt wohl verrecken werden. Doch der meinte nur, dass ich nicht an so was denken sollte, während er mich mit verzweifelten Augen ansah...

Wir wussten natürlich, dass wir es wieder nach El Chalten schaffen! Auch wenn es noch eine Woche dauern würde... Zu unserer Erleichterung schenkten wir diesem Gletscher als Opfergabe unser schönes Doppelseil. Wir konnten es leider nicht mitnehmen. Zu schwer waren die Rucksäcke. Jedes weitere Kilo hätte uns um den Verstand gebracht...

Mit den Steigeisen ging es fortan kreuz und quer, rauf und runter durch das Labyrinth. Ganze 15 Stunden irrten wir wie zwei Mäuse umher. Dann, endlich erbarmte sich dieser Gletscher und erleichterte uns den Weg. Wir kamen wieder an den Rand wo wir unser nächstes Biwak errichteten. Mann, waren wir fertig! Gott sei Dank war das Wetter gut, denn der Wetterbericht sah bei unserer Abreise ganz anders aus... Wir sprachen noch darüber, dass wir es schon schaffen werden, und dass wohl eine unserer wildesten Touren sei. Danach gingen bei uns die Lichter aus.

Am nächsten Tag sind wir dann auf, haben uns einen Tee gemacht. Zum Essen hatten wir uns noch jeder ein Stückchen Schoko aufgehoben. Kaum waren wir dann unterwegs erlöste uns ein wunderbarer Blick auf den See, den Lago Viedma. Wir standen am Ende von diesem riesigen Gletscher und ein wenig Hoffnung kehrte wieder zurück! Doch in El Chalten waren wir noch lange nicht...

Draußen auf dem riesigen See sahen wir ein Schiff vorbeizeihen. Wir wünschten uns einfach nur auf diesen kleinen Dampfer. Und dass er uns nach El Chalten bringen sollte. Das Schlimme an unserer Lage war eigentlich nur, dass wir nicht wussten, wie weit es noch bis zu unserem Zelt in El Chalten war. Also verließen wir den Gletscher und gingen über Berge und durch Schluchten. Wir krochen durch Gestrüpp und kletterten über alles, was sich uns in den Weg stellte. Hauptsache wir kamen voran. Ihr wisst gar nicht was das für eine Überwindung kostet. Schritt für Schritt marschierten wir. Immer diese monotone Anstrengung und nix mehr zu essen - einfach unglaublich!

Irgendwann kamen wir an einem Condor vorbei. Der riesige Vogel saß einfach so da auf seinem Baum und schaute uns gelangweilt an. Wir fragten ihn nach dem Weg nach El Chalten aber der glotzte einfach nur (und dachte sich wohl nur was diese beiden Deppen in ihren bunden Klamotten nur in dieser Wildnis zu suchen haben...).

Irgendwann war ich an dem Punkt angelangt an dem einfach nix mehr gehen wollte. Meine Füße gehorchten einfach nicht mehr. Wir waren so fertig von der ganzen Latscherei. Doch auf einmal wurden wir wieder stark. Das ist einfach unglaublich! Wenn es ernst wird dann sind Toni und ich einfach ein unschlagbares Team. Wir motivierten uns gegenseitig! Und es ging nur der Kopf, der dem Unterbewußtsein die Befehle gibt.

Schritt für Schritt - Kilometer um Kilometer ging es voran! Wir maschierten wie Roboter in dieser Wildnis. In meinem Rucksack saß meine kleine Emily und sagte mir ins Ohr "Papa komm gema ham! I mog nimma gehn...". Und ich brachte sie heim, meine kleine Maus! Ich musste immer wieder grinsen, denn der Toni legte auch auf einmal ein Tempo hin. Der hatte bestimmt auch jemanden in seinem Rucksack sitzen...;-)

Irgendwann erreichten wir den ersten Pfad, dann einen richtigen Weg und schließlich die erste Ranch und eine Straße. Dazwischen wären wir beide noch fast in einem Fluß ertrunken, den wir überqueren mussten. Einfach Wahnsinn! Und um ein Uhr nachts waren wir endlich in El Chalten.

Toni und ich haben viel gelernt da draußen. Okay, man muss sich nicht wirklich auf eine solche Reise machen. Aber die Erinnerung möchte ich nicht missen! Und eines habe ich besonders verinnerlicht: Wer stehen bleibt kommt nicht weiter!!!!!!!!

Grüße vom anderen Ende der Welt!

Euer Markus