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Gefangen im ewigen Eis

 

Wir sind Donnerstag um Mitternacht wieder nach El Chalten zurückgekommen. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, was wir alles durchgemacht haben...

Ich glaube, wir sind die letzten Tage so um die 200 Kilometer gelaufen durchs ganze Patagonische Inlandeis. Es war die Hölle auf Erden!
Doch ich kann Euch auch sagen, dass ich dieses Erlebnis nicht missen möchte. Eine Grenzwanderung zwischen Sein und Nichtsein...

Hier nun der erste von zwei Teilen unserer Odyssee... (Bilder kommen so schnell es geht. Aber das mit den Computer und der Verbindung hier unten funktioniert nicht immer...;-( )

Angefangen hat alles am Montag. Der Wetterbericht war ja nicht so gut, aber ich dachte, wir müssen das Beste daraus machen. So kam ich nach langem Überlegen auf einmal am Vormittag auf dem Klo auf eine super Idee. Am Klo habe ich oft die besten Ideen...;-)

Lass uns die Ferrari-Route auf der Westseite gehen, dacht ich mir,  das ist ein würdiger Ersatz für unser Projekt an der Nordwand. Bei der "Maestri-Egger"-Route muss einfach alles passen. Und da die Vorhersagen nicht so super waren, haben wir uns dann die ganze Zeit etwas anderes ausgedacht.

Gesagt getan! Und schon waren Toni und ich um 11.59 Uhr mittags auf dem Weg in unser wohl größtes Abenteuer. Eine Minute vor Zwölf - das hätte ein Warnzeichen für uns sein müssen. Naja, dann sind wir wieder ein Mal unseren bekannten Weg ins Niponimo-Biwag gegangen. Im Gegensatz zu unseren vorigen Unternehmungen wollten wir dieses Mal nicht in einem durchgehen. Da die Vorhersage recht unsicher war, entschlossen wir uns das Biwakzeug,  sprich Schlafsack, Kocher,  etwas mehr Essen, einen Biwaksack und auch mehr Kleidung mitzunehmen, um notfalls auch Biwakieren zu können.

Die erste Nacht verbrachten wir im Niponimo-Biwak. Ganz schön lange ausgeschlafen haben wir dort. Wollten schon um 5 uhr weggehen, aber keiner wollte recht aufstehen. Also kamen wir erst um 9 uhr weg. Unser plan war wieder über den steilen Gletscher zum Klemmblock  (ich weiss immer noch nicht wie das Ding wirklich heisst...) aufzusteigen. Ihr wisst schon! Unser alter Freund, wo wir schon einmal im Wind festgefroren auf einem Eisfeld saßen...

Von dort wollten wir dann auf die Westseite abgesteigen auf den "Sattel der Hoffnung"aufsteigen und dann über die Ferrari-Route auf den Cerro Torre. Absteigen wollten wir über die Kompressorroute, wo wir vor einer Woche schon fast den Gipfel erreicht haben. Klingt ja eigentlich ganz einfach und logisch.

Okay, die Rucksäcke waren verdammt schwer. Anders als gewohnt, da wir so viel mitnehmen mussten. Gott sei Dank, wie sich später noch zeigen würde. Das warme Wetter hatte in der letzten Woche Spuren hinterlassen. Zum Klemmblock hinauf suchten wir uns schon wie die Blöden durch ein Labyrinth von Spalten. Das war beim letzten Mal nicht so, aber wegen der Wärmeperiode hat sich der Gletscher total verändert.

Kurz unterm Kemmblock hatten wir dann noch extremen Steinschlag, weil alles so ausgeapert war. Der Rucksack hatte gefühlte 100 Kilogramm, scheinte es zumindest... Vor allem Toni passte das überhaupt nicht und er schimpfte die ganze Zeit und quälte sich bei jedem Schritt.

Auf dem Klemmblok wehte natürlich wieder voller Wind, wie solls auch anders sein... Wir schauten, dass wir schnell auf der anderen Seite nach unten kamen. Der Wind setzte uns ganz schön zu. Die ganze Zeit wehte es einem den Dreck in die Augen. Das war zum wahnsinnig werden - ahhhhhhhhhh!

Beim Abseilen machte der Toni dann wieder ganz grosse Augen als wir an einem Block abseilten, der so ein bischen wackelte. Ich sagte, dass der schon hält und sicherte ihn etwas zurück (falls er echt nicht hält, grins). Der Toni schaute mich mit seinen blauen Augen an und ich wusste schon, was der sich wieder dachte.... Drei mal abseilen und wir waren unten. Naja, nicht ganz... Das Seil war beim letzten Mal etwas zu kurz und wir mussten über den Bergschrund. Schnell mal den Pickel ordentlich versenkt, den Toni runtergelassen und dann waren wir irgendwie auf der anderen Seite. Ich dachte nur Sch...! Ab jetzt gibt es so schnell kein Zurück mehr...

Auf der Westseite mussten wir natürlich den Gletscher wieder runter, um dann unten zum "Sattel der Eroberung" zu gelangen. Da runter zu gehen war das gleiche Abenteuer wie auf der anderen Seite - die Hölle auf Erden! Es ging quer durch die Spalten. Wir dachten, wie sollen wir denn da runter kommen. Das war der Wahnsinn! Gott im Himmel!

Nach ein paar Stunden standen wir dann doch unten auf dem großen Inlandeis von Patagonien! Wow, das war echt beindruckend. Man kommt sich vor wie eine kleine Ameise im Niemandsland! Wir schauten hinauf zum Sattel der Hoffnung, dann schauten wir uns an und ich wusste, was sich der Toni dachte!

Es war fast kein Eis in der ach so großen Eisroute! Schon komisch und gleichzeitig sch...! Alleine der Weg zum Sattel hoch war schon sehr gefährlich, da das meiste im brüchigen Fels zu klettern wäre, geschweige denn oben weiter. Okay, es war alles klar! Wir machen was anderes, aber was sollen wir denn machen? Gefangen im zwischen dem ewigen Eis und einer gefährlichen Mauer aus bröckeligem Granit!

Dann auf einmal hatte der Toni eine, so meinte er, super Idee! Lass uns doch das ganze Inlandeis bis zum Lago Viedma durchqueren und uns von da aus irgendwie nach El Chalten durchschlagen. Ich überlegte mal kurz und fragte den Toni dann, wie weit das denn sei. Er meinte, dass es ganz schön lange sei, aber wir hätten ja Biwakzeug dabei und etwas zum Essen auch. Naja, sagte ich, das schon, aber keinen wirklichen Plan wo wir hin müssen. Und auch keine Karte. Aber die Idee war schon wieder so verrückt, dass sie schon wieder gut war. Und außerdem macht uns das so schnell keiner nach, dachte ich mir.

Also fing unser größtes Abenteuer an! Gefangen im Eis - ein Grenzgang zwischen Sein und Nichtsein!

Aber das erzähl ich Euch im zweiten Teil! Es geht auf jedenfall extrem weiter...;-)

Euer Markus