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Eiger - Nordwand

 



Ich weiß nicht, ob meine Eisgeräte irgendwo ober mir in dem losen Schnee halten werden. Die Steigeisen tun es mal eher nicht, das rechte ist in der Luft, na ja eh im Schnee, fühlt sich aber an wie Luft und das linke, hm wird wohl hoffentlich halten auf der kleinen Felsleiste. Ist ja eigentlich gar keine so schlechte Ausgangsposition, blöd ist nur,daß die nächsten zehn Meter noch beschissener aussehen und die letzte Sicherung, äh - wenn man das so nennen kann - gut fünf Meter unter mir ist. Was tun? Ein bißchen später am nächsten Stand denk ich mir "war das jetzt schwer, oder hab ich wieder mal nur deppert getan?" Wird wohl eher das zweite sein, den die Nordwand ist ja nur ein "Fünfer"!

Am Donnerstag, den 24.September um 14.00 Uhr stehe ich mit Hannes Pieler auf dem Gipfel des Eiger. Nachdem mich Hannes eine Woche zuvor gefragt hat, ob ich Lust hätte die Eigernordwand mit ihm zu klettern. Eigentlich eh nix dahinter, dachte ich. Rausfahren, raufsteigen und wieder heimfahren.
Außerdem wollte ich diese bekannte Nordwand sowieso einmal klettern.

Haben wir auch so gemacht... Nachdem das Wetter ganz gut vorausgesagt war, sind wir am Dienstag von zu Hause los in Richtung Grindelwald. Irgendwann am Abend , war schon finster, sind wir dann auch dort angekommen. Nachdem wir ein Zimmer und was zu Essen bekommen hatten, fragten wir in dem Gasthaus in dem wir saßen die Einheimischen am Stammtisch, wo es denn vom Eiger am Besten wieder runter geht - wo es rauf geht wussten wir ja schon ungefähr.
Wir hatten eine Kopie der N-Wand, in der die Linie eingezeichnet war.
Die Einheimischen sahen uns an und meinten nur, daß sowieso zu viel Schnee läge und die Verhältnisse sehr schlecht wären...und was wir zwei überhaupt...

Nach dem hamstermäßigen Abendessen ( war für die nächsten 2 Tage gedacht), spülten wir noch schnell unser Bier hinunter, bedankten uns für die Infos und rollten auf unser Zimmer um unsere Rucksäcke zu packen. Hannes war gleich mal fertig, ich brauchte etwas länger, da ich mich anfangs nicht recht rühren konnte(zu viel gefuttert). Irgendwann raffte ich mich auf, schmiss mein Zeug in den Rucksack und ging auch schlafen.

So ziemlich in letzter Sekunde sprangen wir am nächsten Morgen in den Zug, der uns zur Wand bringen sollte. Glück gehabt! Auf unserem Auto am Parkplatz hatten wir übrigens nur ein Parkticket für acht Stunden(ist mir erst später eingefallen), würde sich wohl nicht ganz ausgehen - naja, wir hatten auch nur mehr drei Franken Kleingeld...egal!!

Kurze Zeit später mitten in der Wand:" Verdammt, Markus, hast du mein zweites Eisgerät?" Ich sah ihn an. "Warum? Ich hab ja selber zwei!"- Wird er es wohl verloren haben bei dem Gewühle durch den Schnee. Ich dachte mir",hm, ist aber eh ziemlich viel Schnee, wird wohl besser werden". Besser wär's eh geworden, wenn`s nur nicht so steil gewesen wäre und man nur bis zu den Knien im Schnee anstatt wie zum Schluss bis zum Bauch und Kopf darin gesteckt wäre. Das mit dem Schnee war ziemlich mühsam, aber halb so wild, es war doch auch ein bisschen Eis darunter, zwar nicht viel, aber dafür hat es nicht gehalten! ,OK.....

So wurde die Nordwand vom Eiger zu einer echt anspruchsvollen, heiklen Mixedkletterei, ganz anders als erwartet, aber mit Hannes, der vom Presseggersee bei Hermagor kommt, hatte ich einen sehr starken, hoch motivierten Partner, mit  dem das alles kein Problem war. Hannes sagte mir, daß er sich eigentlich im Fels etwas wohler fühle als in diesem Mixedgelände, aber er war echt gut unterwegs.(Helm ab)! Mir war diese Art von Kletterei natürlich vertraut, hab ich ja das eine oder andere Mal schon gemacht.

Es kam immer wieder große Freude auf, wenn wir zufällig einen Haken fanden unter dem.....und so kletterten wir durch die schöne Winterlandschaft auf den Eiger. Irgendwann in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag auf dem Götterquergang, wo wir nebeneinander sitzend uns den Arsch abfroren - (Geplant wäre gewesen: durchklettern und wieder runtergehen - spielte es aber nicht, weil wir solche Trödler sind)- sagte ich zu Hannes:"siehst du, schlafen tun wir ja eh nicht,hätt´ma auch weiterklettern können".Er meinte darauf nur trocken:" Na, wenigstens regnet es nicht"! Hm, Hannes der Scherzkeks, bei minus 10 bis 15 Grad?? Aber so schnell erfriert man nicht und irgendwann hat jedes Warten ein Ende, Gott sei Dank.

Nach einem ausgiebigem Frühstück - ein paar Eisbrocken aus der Wasserflasche und etwas Morgengymnastik - ging es dann weiter. In den Ausstiegsrissen, in denen ich mich fühlte wie am Cerro Torre, mussten wir manchmal echt in die Trickkiste greifen, um da rauf zu kommen und so waren wir richtig erleichtert, am Gipfeleisfeld wieder die Sonne zu sehen... Reib mir gerade die Haut von der Nase, Sonnenbrand - die Sonnencreme hatten wir natürlich vergessen.

Hannes führte mich noch sicher (zwar nur mit einem Eisgerät, aber so wie wir es bei der Bergführerausbildung zusammen gelernt hatten) auf den Gipfel und wir klatschten ein, Berg Heil!!!!!!

Wenn ich über unsere Tour so nachdenke, könnte ich glatt ein ganzes Buch darüber schreiben, was Hannes und ich alles erlebt haben in der Nordwand, es war ein Riesenabenteuer, von unten bis nach oben! Das werden wir wohl nie vergessen!

Letztendlich sind wir sechzehn Stunden hinaufgeklettert, zwölf Stunden auf unserem Arsch gesessen und gute fünf Stunden wieder nach unten gegangen ( nur für die, die es interessiert!) Gegangen ist vielleicht nicht das richtige Wort, die Bezeichnung: gerutscht, gestolpert und gefallen trifft's wohl eher.
Ich hätte gleich am Gipfel einschlafen können, so schön warm war es in der Sonne, aber Hannes machte schon wieder Stress. Wir entschieden uns, über die Westflanke abzusteigen, wo wir allerdings sofort in eine dichte Nebelwand eintauchten und die Nebelgeister uns sicher zu unserem Bier und dem Salamisandwich führten. Geister deshalb weil Hannes plötzlich meinte:"He, servus, hallo, hallo!" - Ich dachte, was ist n jetzt los? Hannes voll aufgeregt:" Da vorn, da ist einer, da vorn ist einer!"
Ich:"He voll geil, super wir sind gerettet, jetzt wissen wir wenigstens wo es runter geht."
Voll im Stolperlauf zum Hannes vor - Ich zu Hannes: "Wo sind die Spuren? Keine Spuren da!" Also ging es ohne Hilfe weiter, plötzlich Hannes wieder:
"Da vorn, äh da war er gerade!"-Ich:" ja ja, ich glaub dir eh, gehen wir ihm halt nach, ok.!"

Und so führten uns die Nebelgeister durch die Westflanke bis wir im Nebel ein rotes Licht sahen, wir hatten es geschafft, eine Signalleuchte der Eisenbahn.

Wir schlossen die Tür des Untersuchungszimmers im LKH Villach und klatschten wieder ein. Die Erfrierungen an unseren Zehen waren nicht so schlimm.-"Das wird schon wieder!", meinte der Arzt. Es war anscheinend eine echt kalte Septembernacht, ganz weit, weit weg von Allem, in der großen großen Nordwand!
Danke Hannes, es war mir eine Ehre mit dir zu klettern!